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gegr. 1920

Aktives Mitglied im Hamburger Museumshafen

 

 

f a s t m o k e r

ARCHIV DER FAMILIE HERMANN ZEHBE

Das traditionelle Hamburger Festmacherboot

 

 

Ein altes offenes Arbeitsboot der Hamburger Schiffsbefestiger mag auf dem ersten Blick vielleicht nicht so beeindruckend wie ein historischer Großsegler oder ein riesiges Containerschiff unserer Tage sein. Auf den zweiten Blick ist ein traditionelles Festmacherboot es jedoch durchaus. Noch vor Jahren wurde das Interesse an diesen Bootstyp lediglich von seiner Zweckmäßigkeit dominiert. Doch diese Ansicht hat sich erfreulicherweise geändert.

 

Mit dieser Internetpräsentation ist ein Anfang gewagt, interessierten Menschen und Eignern von Festmacherbooten eine Anlaufadresse zu bieten. Dem ARCHIV DER FAMILIE HERMANN ZEHBE ist es eine Herzensangelegenheit Neubauten der damaligen Schiffswerft Hermann Zehbe in Hamburg, aber auch Festmacherboote anderer Werften zu erhalten und den freundschaftlichen Kontakt zu den Eignern zu finden. Seit Jahren arbeitet das Archiv hierbei im Verbund mit dem Hamburger Museumshafen Oevelgönne und vielen weiteren Freunden und Betreibern von Traditionsschiffen erfolgreich zusammen.

 

Eine der gefährlichsten Arbeiten im Hamburger Hafen wird seit jeher von den Schiffsbefestigern übernommen. Sie verbringen mit ihren wendigen Festmacherbooten die schweren Trossen der Seeschiffe zu den Dalben im Strom, sowie auf Pollern anderer Hafenanlagen. Oft operieren die Bootleute mit ihren stark motorisierten „Fastmokern“ auf engsten Raum zwischen Seeschiffen, Schleppern und Kaimauern. Deshalb weisen die traditionell offenen Hamburger Festmacherboote sehr robuste Rumpfstärken und erhebliche Materialzuschläge auf. Sie sind Eisgängig und trotzen jedem Wetter.

 

Die wohl von Elbfischern und ehemaligen Seeleuten im Nebenerwerb ausgeübte Tätigkeit des vertäuen von Seeschiffen, entwickelte sich mit der Gründung des erste Schiffsbefestiger-Unternehmen in Hamburg im Jahre 1877 zu einen spezialisierten Hafengewerbe. Eine genaue Datierung der eigentlichen Anfänge ist hierbei nicht erfassbar, jedoch weiß man das die Zunft der Festmacherleute weit vor dem Schleppergewerbe entstand. Alt hergebrachte Holzruderboote, sogenannte Spitzgattjollen wurden damals von den Hamburger Bootleuten für ihre Tätigkeiten eingesetzt. Die Boot-Gang ließ sich bei ablaufend Wasser mit ihren Ruderbooten aus dem Hafen auf die Aufkommer zutreiben. Nachdem die Mage mit dem jeweiligen Schiff auf Zuruf von Bord zu Bord verhandelt war, übernahm man die Vertäung an den jeweiligen Hafenanlagen.

 

Hartnäckig halten sich die Behauptung, dass es früher vor der Auftragsvergabe hier und da auch mal etwas rauhbeiniger zur Sache ging. Üblicherweise mit den Piekhaken wurde den ungeliebten Mitbewerben Argumente angetragen mit ihren Booten doch beiseite zu gehen, da man irgendwie zuerst am Aufkommer dran war. Als eine Art von sportlicher Betätigung war auch das ansägen der Riemen bei Booten der Konkurenz nicht ganz unüblich. Denn damals galt die einfache Regel: "wer zuerst kommt, vertäut zuerst." Heute wird von manchen Unternehmen der alten Zunft jedoch nur noch an der langweiligen Preisschraube gedreht.

 

Die ersten Holzruderboote mit Längen um wohl 4,00 bis 5,00 Metern wurden etwa ab den 1920/30er Jahren nachträglich mit 15 PS leistenden Motoren bestückt. Jedoch machten diese ersten Motorboote nur Vorwärtsfahrt, was zu nicht wenigen Unfällen führte. Das verbesserte sich aber mit der Einführung von Wendegetrieben, diese eine Vorwärts- und Rückwärtsfahrt der Boote ermöglichten. Als nun benötigte Steuereinheit setzte man, bis auf einige Ausnahmen naturgemäß auf Vertrautes, auf die robuste und effiziente Pinnensteuerung. Diese Art der Steuerung hatte den Vorteil, dass sie direkt einwirkt und so sicheres manövrieren auf engsten Raum ermöglicht. Durch die Motorisierung begünstigt, erhielt in dieser Zeit auch die robustere Stahlbauweise Einzug. Mit Ende der 1940er Jahre waren dann die meisten Festmacherboote der sogenannten zweiten Generation aus Stahl genietet und geschweisst.

 

Mit anfänglichen Längen von 6,00 bis 7,00 Meter wuchsen die ersten genieteten Stahlboote im laufe der Zeit weiter an. Diese neue Festmacherboot Generation wartete bereits mit 30 PS Dieselmotoren auf. Bis Ende der 1940er und 1950er Jahre leisteten die Motoren dann um die 50 PS. Mit Bootsmotoren von 60 PS und Längen von 8,00 Metern in den 1960er Jahren und 148 PS und Werftlängen von 9,00 Metern waren die offenen Arbeitsboote bis in die 1970er Jahren zu wahren Kraftprotzen herangewachsen.

 

Die letzten in Hamburg gebauten modernen Festmacherboote der dritten Generation haben Rumpflängen von 11 bis 13 Metern. Im Gegensatz zu den alten offenen Pinnenbooten verfügt der moderne Typ über 250 bis 300 PS starke Dieselantriebsagregate und ein geschlossenes Ruderhaus, sowie Aufenthalsräumlichkeiten im Vorschiff. Nichts gegen die hölzernen Sitzbohlen in der "Hundehütte" der Vorpick und der robuste Außentoilette der offenen Pinnenboote der alten Tage.

 

Bei wirklich jeder Wetterlage, bei Tag und bei Nacht, Sommer wie Winter, bei Sturm und bei Eisgang, ein Festmacherboot fährt immer! Den unsanften Kontakt mit Schiffskörpern, Kaimauern, Dalben oder anderen im Weg stehenden Gegenständen beeindruckt die robusten Stahlkonstruktionen kaum.

 

 

 

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